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Diese Zukunftsgeschichten sind im Rahmen eines Workshops im Herbst 2025 entstanden. Wir danken allen Mitwirkenden.
Für die Entwicklung der Geschichten wurden das Weiter-Erzählen Playbook und das REGIOKataster verwendet.
Eine Zukunftsgeschichte zum Thema Engagement und Erzählungen
Es waren einmal in der nördlichen Oberpfalz Familien als Kern dieser Region, Vereine als wichtige organisierte Strukturen, wo Werte, Teamgeist und Verantwortung-Übernehmen vermittelt wurden. Und es gab auch die vielen Engagierten als Basis, ohne die sonst nichts passieren würde. Es gab Projekte, Macherinnen mit Ideen und Netzwerken und Zugereiste. Sie hatten Lust auf Mitgestaltung. Es gab auch eine Art Regionalplanung, aber ganz anders gedacht und mit der Frage: „Was passt zu uns und diesem regionalen Kontext und dem, was das gute Leben hier vor Ort braucht?“
Sie lebten in einer Region mit Wald, Feldern und Agrarlandschaft, die irgendwie dann doch auch eine Kulturlandschaft und Heimat ist, die man genießt und die eine gute Ausstattung hat. Es gibt eine Grenze, als Chance für neue Horizonte und der Lust auf das Entdecken von dem, was dahinter liegt. Aber auch immer mehr Leerstand zeigte sich, weil viele Hofstellen leer werden und die Leute neue Arten zu Wohnen suchen. Es ist eine Region mit kurzen Wegen und starken Netzwerken. Und wenn man Hilfe braucht, dann findet man die eigentlich auch schnell. Also alles in allem ein doch recht gut funktionierendes Netzwerk aus Dörfern, Kleinstädten und Freiräumen.
Das Problem war jedoch, dass Veränderung immer schneller vonstatten ging. Auch hier verändert sich die Gesellschaft. „Wir waren nie verwöhnt“, sagten sie, „sondern haben Lösungen immer selbst gefunden. Bescheidenheit und Demut war unsere Stärke.“ Doch inzwischen geht das Engagement und die Eigeninitiative immer mehr verloren. Es wird schwieriger, ein funktionierendes regionales Gefüge zu erhalten, gute Angebote selbst zu gestalten, Nutzerinnen dafür zu finden. Wenn wir so weitermachen, werden wir viel verlieren.
Die Leute waren sich einig: Wenn sie jetzt nicht handeln würden, dann würde die Abwanderung wieder zunehmen. Die Arbeitskräfte würden fehlen, die Wohn- und Lebensqualität nimmt wieder ab. Leerstand und Überalterung prägen das Bild auf den Dörfern und in den kleinen Städten. Und niemand will dann mehr zuziehen. Sie waren sich sicher: Es wird schlimmer als das, was wir in der Vergangenheit schon erlebt haben! Sie sagten: „Wir leben in dieser Vollkaskogesellschaft, wo wir gar nicht mehr wissen, wie wir uns was Neues aufbauen können! Wir sind doch viel weniger resilient als früher!“ Vor allem die junge Generation hätte das nicht gelernt und ein bisschen beschleicht sie der Zweifel, „vielleicht waren wir auch gar nicht so gute Vorbilder für unsere Kinder.“
Doch eines Tages begab es sich, dass die Jammerfee kam und das ganze Gejammere und die Medien mit ihren ganzen schlechten Geschichten vom Streit und den Problemen mitnahm. Die jungen Menschen sagten dann, „die Jammerfee, die gibt es doch gar nicht. Packen wir’s selber an!“ Und die jungen Menschen bekamen Lust am Gestalten, weil ihnen Vertrauen geschenkt wird, weil sie einen Anstupser bekommen und weil sie auch, wie ganz viele hier, die Sehnsucht haben, positiv in die Zukunft und auf ihre Region zu schauen. Sie merkten, dafür braucht es eine andere Sprache und andere Erzählungen. So entschlossen sie sich, sich gemeinsam der Situation zu stellen und gründeten ein regionales Medienhaus, von dem aus sie über ihre Region berichten könnten. Sie vernetzten sich mit den Jugendparlamenten und den Jugendbeauftragten in der Region. Sie wussten, dass es auch ein Jugendmedienzentrum gibt. Den Einzelnen fiel es erstmal schwer, aber mit der Zeit haben sie immer mehr Leute zusammengesucht. Und dann haben sie gemerkt: „Im letzten Sommer, da wurde auf Social Media von jedem Feuerwehrfest berichtet und der Jubiläumsfeier und diesem und jenem, da ging es doch auch! Da konnten wir doch auch ganz viel berichten und erzählen. Und wenn wir jetzt nicht nur über das Feuerwehrfest erzählen, sondern vielleicht auch von jedem Dorf gute Nachrichten und so zu lokalen Dorfjournalist:innen werden, dann könnten wir doch viel bewegen.“
Sie beratschlagten, wie man das Problem am besten angehen könnte. Sie entwickelten ein Sommerferienprogramm zu Journalismus. Es gab den Deal, dass sie einen Ort bekommen, wo sie arbeiten können. Leerstand gab es ja genug. Gleichzeitig gab es aber auch eine Kooperationsvereinbarung: Der Raum darf so lange genutzt werden, solange sie arbeiten und gute Geschichten produzieren. Und damit es auch passiert, wurde Ihnen eine Kümmerperson zur Seite gestellt. Hier in der Region gibt es zum Beispiel einen Kreisjugendring und auch schon ein Format wie den New Real Talk, der sich total bewährt hat, an dem man andocken kann. Und einmal im Jahr gab es einen großen Markt der guten Geschichten, wo auch all die Local Heroes, von denen man das ganze Jahr über berichtet hat, vor Ort sind, wo man wirklich in Kontakt kommen kann, wo man hautnah erfährt, was, wer und wie alles in der Region unterwegs ist und damit eigentlich einen neuen Gemeinsinn kultiviert und durch Vernetzung schafft das regionale Potenzial ganz anders zu heben.
Und so sprach es sich schnell in der Region herum, dass junge Menschen ja doch Lust haben, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen, um ihre ganz eigenen Geschichten von der Region zu erzählen. Und sie haben gemerkt: Wenn wir nichts tun, dann passiert auch nichts. Also müssen wir eigentlich nur wieder unsere eigenen Ideen verfolgen und loslegen. Die Älteren haben gemerkt, dass es Vertrauen braucht und dann auch von der neuen Generation neue Lösungen gefunden werden.
Und die Moral von der Geschicht: Heimatverbundenheit und Wissen, Offenheit und einen Glauben an unsere Selbstheilungskräfte sind eine gute Grundlage, um damit alle möglichen Herausforderungen zu lösen.
Eine Zukunftsgeschichte zum Thema Engagement und Jugend
Es waren einmal in der nördlichen Oberpfalz Engagierte, die Feuerwehr, Vereine, Rückkehrer und Rückkehrerinnen mit neuen Ideen, aber auch lokalem Wissen und viel Wertschätzung für die Region. Es gab auch einige soziale Träger und Bildungseinrichtungen und eine Eigentümerin mit Räumen, die leer standen. Und eigentlich waren das ja auch einfach alles die Bürger und Bürgerinnen in der Region.
Sie lebten in einer Region, in der es schon Orte mit zentraler Lage gab. Es gab kurze Wege in der Kommunikation. Es gab eigentlich eine hohe Lebensqualität. Die Gemeinschaft wurde gelebt, die Leute identifizierten sich stark mit der Region. Es gab auch Freiraum als Ort, wo Engagement stattfindet. Und die sind eben auch nötig. Und es gab zum Beispiel auch ein Naturschutzgebiet, für das sich Leute engagieren.
Das Problem war jedoch, dass es immer weniger Leute gab, die sich engagieren. Knappe zeitliche Ressourcen, andere Prioritäten, Vereine hatten Nachwuchsmangel, zum Teil waren die Vorstände schon älter. Das Interesse von den Jüngeren, nachzurücken, fehlte. Manchmal gab es auch weniger Offenheit gegenüber den neuen Ideen von jungen Menschen. Und so hakte es hier und da, was das Engagement betrifft. Zum Teil sah man auch, „Na ja, okay, ich bin vor allem motiviert, mich mit einzubringen und teilzuhaben, wenn es auch eine tatsächliche Beteiligung ist und wenn die Qualität stimmt.“ Daraus entstand zwar Motivation, aber auch nicht bei allen. Viele Engagierte waren total überlastet, weil sie wenig Unterstützung bekamen und vieles auf sie abgewälzt wurde. Es zeichnete sich ab, dass ein Riss durch gesellschaftlichen Zusammenhalt ging. Jeder machte seins. Und wenn sich Leute engagierten, eher als Engagementhopping oder punktuell und wenig verlässlich und dauerhaft. Das nagte sehr an den Engagierten und an den Vereinen.
Die Leute waren sich einig, wenn sie jetzt nicht handeln würde, würde die Feuerwehr ein massives Problem bekommen, weil einfach zu wenig Nachwuchs da war. Es würde ihr immer schwerer fallen, ihre Aufgaben zu erfüllen und die Gemeinschaft, die durch den Verein geschaffen wurde, würde massiv schrumpfen. Die Lebensqualität in der Region würde zurückgehen, weil es einfach mit weniger Engagement auch weniger Angebote für Kultur und Veranstaltungen gäbe. Wahrscheinlich würde auch das Heimatgefühl und damit auch der Grund, für den die Leute zurückkehren, verloren gehen. Vielleicht würden sie das auch noch mal überdenken und doch woanders hingehen. Und die Engagierten würden immer ausgebrannter, weil immer mehr Aufgaben auf ihren Schultern landen und wahrscheinlich aufgeben, weil niemand anderes mitmacht. Das Damoklesschwert schwebte über der Region. „Die Leute könnten auch einfach abwandern. Es könnte weniger Nachwuchs geben, weniger Kinder. Die Schule müsste vielleicht schließen, es würde noch mehr Leerstand geben.“
Doch eines Tages begab es sich, dass die Engagierten und die Zurückgekehrten sich angeguckten, was sie eigentlich in den letzten Jahren schon auf die Beine gestellt haben. Sie stellten fest: „Mensch, hier sind doch viele kleine Dinge passiert. Und eigentlich sind das alles ganz tolle Geschichten, die wir einfach nur erzählen müssen.“ Von der Partyreihe, von den Omas gegen Rechts, von der tollen Kooperation mit dem Staatstheater. Auch vielleicht mal über den neuen jungen Feuerwehrkommandanten zu erzählen, der super offen ist und total gut in der Lage, Leute zu begeistern und irgendwie ein Feuer zu entfachen. Die vielen hochwertigen kleinen Konzerte, auch die Filme, die jetzt gezeigt werden, davon müssten doch mehr Leute mitbekommen. Die Engagierten wurden Stück für Stück sichtbarer, ihre Aktivitäten haben sich gebündelt und immer mehr Orte sind wiederbelebt.
Sie sahen, dass das, was sie in den letzten Jahren versucht hatten, nicht zu viel mehr Engagement geführt hatte. Also haben sie gesagt, „wir müssen noch mal was ganz Neues auf die Beine stellen.“ Und da kam dann die Schule mit ins Spiel, die gesagt hat, „Wir haben ja jetzt hier das Problem, dass wir an einem Tag in der Woche keine Räume haben für unsere Hortbetreuung. Und wir haben uns jetzt die Ganztagsschule auf die Fahnen geschrieben. Lernen durch Engagement, zum Beispiel bei der Feuerwehr.“ Es ergab sich also eine Kooperation aus Schule, Feuerwehr, Engagierten, die im Bereich Tanz unterwegs sind, und die haben gesagt, „Wir machen ein Nachmittagsangebot für die Jugendlichen, einen Projektnachmittag vom Hort – zum Beispiel in diesem leeren Ladenlokal. Die Eigentümerin meinte auch gleich, „ja, bevor das leer steht, go for it. Klar könnt ihr da Projektnachmittag machen.“ Sie haben sich da also regelmäßig getroffen und dann eine Aktion geplant. Und zwar eine Tanzchoreografie zum Thema Wasser, welches am Global Water Dance Day stattfinden sollte. Dieses leerstehende Ladenlokal war dafür jedoch zu klein. Und die Eigentümerin meinte, „ich habe da noch dieses alte verlassene Haus im Naturschutzgebiet im Wald.“ Dann haben sie diese Veranstaltung in dem Haus im Wald geplant.
Allerdings kam zu einem der Planungstreffen die Eigentümerin dazu und meinte, „schlechte Neuigkeiten, die Versicherung blockiert. No way, diese Veranstaltung hier durchzuführen.“ Und plötzlich kamen alle Stimmen von allen Bedenkenträgern auf den Tisch. Was passiert, wenn sich dafür niemand interessiert? Und niemand kommt? Die anderen Vereine nicht mitmachen? Es gab auch so Buschfunk, das eine Person, die immer super viel gemacht hat, plant wegzuziehen. Bei jemandem gab es im Familienumfeld einen Herzanfall. Leute fielen aus. Oh Gott, oh Gott, wie können wir das alles hinkriegen? Zwei Wochen bevor es stattfinden sollte, drohte alles zu kollabieren. Und ja, die Gruppe saß zusammen und hat nur noch mit dem Kopf geschüttelt und gemeint „Oh Gott, oh Gott, wo haben wir uns hier reinmanövriert? Das können wir doch gar nicht stemmen. Sollen wir das jetzt abblasen und einfach nicht machen?“
Sie haben dann allen Mut zusammengenommen und gesagt, „das wird schon irgendwie.“ Und wenn irgendwo eine Tür zugeht, geht eine andere auf. Wir machen das jetzt trotzdem. Und dieser Projekttag war ein voller Erfolg und völlig erschöpfend. Total übernächtigt, mit viel zu viel Zucker und zu viel Koffein saßen sie danach bei einem Bier zusammen und haben mal geguckt, was sie da eigentlich gemacht haben in den letzten Monaten und haben festgestellt, „wow, wir haben eigentlich gerade eine total stabile, tolle Gruppe gegründet. Eigentlich sind wir doch jetzt so eine Art Projektrat, oder? Wir sind die wichtigen Leute, die eigentlich immer noch eine Ressource kennen, eine Kompetenz haben, super viele Erfahrungen haben und im Grunde können wir das doch jetzt eigentlich auch in die Zukunft weiterführen und einen Projektrat sein für diejenigen, die hier in der Region was umsetzen wollen und vielleicht nicht so mutig sind und vielleicht nicht so viel Ahnung haben, wie das geht.“
Schnell sprach es sich in der Region herum, dass durch den Rat viele tolle Veranstaltungen passiert sind. Inzwischen ist es so, dass die Vereine im Alltag der Kinder Normalität sind. Die Schule hat sich neu erfunden mit dem Thema „Lernen durch Engagement“ und ist super gut vernetzt in der Region. Die Jugendlichen treffen sich jetzt wieder viel mehr im Ort und in den Vereinen. Es gibt wirklich wieder diese kurzen Wege und sie fahren nicht mehr so oft in die Stadt, um dort Kultur und Lebendigkeit zu erleben. Die Freiwillige Feuerwehr hat einen immensen Zulauf bekommen. Sie treffen sich jetzt nicht nur zum Löschen, sondern auch vor allem für die Gemeinschaft. Es gibt Kooperationen, zum Beispiel mit dem Sportverein. Da sichern sie die Strecke beim Laufevent und alle unterstützen sich untereinander. Die Engagierten sind jetzt mehr und entlasten sich gegenseitig. Und das Ladenlokal? Also Leerstand hatte diese Eigentümerin nicht mehr, denn hier trifft sich regelmäßig die Jugendgruppe. Die haben dort ihre Probenräume eingerichtet, machen ab und zu Konzerte und es hat sich sogar eine Gruppe gefunden, die das Haus im Wald mit Recyclingmaterialien renoviert.
Und die Moral von der Geschicht: Wir haben nicht alle die gleiche Vorstellung von der Zukunft, bringen uns aber alle ein, damit wir in ihr beheimatet sind.