Alte Mauern, offene Türen

Eine Veränderungsgeschichte inspiriert aus der Niederlausitz

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Diese Zukunftsgeschichte ist im Rahmen eines Workshops im Mai 2026 entstanden. Wir danken allen Mitwirkenden.
Für die Entwicklung der Geschichten wurden das Weiter-Erzählen Playbook und das REGIOKataster verwendet.

Eine Zukunftsgeschichte zum Thema Selbstwirksamkeit

Es waren einmal in Groß Döbbern Rückkehrer, die Erfahrungen aus der Welt mitgebracht haben, Engagierte, ein Verein und eine Ortsvorsteherin, die den Zusammenhalt organisieren, die zusammen viele Dinge können und sich gegenseitig helfen und ein paar Kulturschaffende, die immer wieder neue Perspektiven aufzeigten. Es gab zwar keine Unternehmen, aber viele Handwerksbetriebe.

Sie lebten in einer Region mit schöner Natur, Seen, Wald und vor allem sehr kurzen Wegen zwischen den Engagierten. Es war eine Region voller Zusammenhalt und mit starker Identifikation.

Das Problem war jedoch, das für viele Menschen die Unsicherheit und der Wandel in der Welt sehr spürbar waren.

Die Leute waren sich einig, wenn sie jetzt nicht handeln, würden die Engagierten an ihre Grenzen stoßen und aufhören sich für die Region einzusetzen. Gebäude und Infrastrukturen würden verfallen und könnten nicht mehr erhalten werden. „Wenn wir nichts tun, zerbricht vor allem unsere Gemeinschaft“ sagten sie.

Doch eines Tages begab es sich, dass sie einfach damit begonnen, das alte, denkmalgeschützte Pfarrhaus Schritt für Schritt zum lebendigen Begegnungsort werden zu lassen. Sie wollten eine Gemeindeschwester, Physiotherapie und einen Arzt, der einmal in der Woche vorbei kommt, damit auch die Älteren im Dorf bleiben könnten. Sie stellten sich ein kleines Lädchen und ein Café vor. Es sollte ein Ort werden, den Kinder und Jugendliche mitgestalten könnten, ein Ort des Miteinander Lernens für Alle. Es sollte Kunst- und Kreativkurse geben, einen Musiktreff und Chor.

Sie entschlossen, sich gemeinsam der Situation zu stellen. Es wurden AGs gebildet, Konzepte geschrieben und Förderungen beantragt. Die Leute kamen auf den Veranstaltungen zusammen und haben gegrübelt, wie es weitergehen könnte.

Sie beratschlagten, wie man das Problem am besten angehen würde. Dabei fielen ihnen so viele Dinge ein, die sie tun konnten. Begeisterung wecken wie mit dem erfolgreichen Drachenboot-Team, dessen Merchandise sich wie warme Semmeln verkauft. Sie waren es gewohnt, viel selber zumachen und so viel wie möglich mit so wenig wie möglich zu realisieren, wie beispielsweise Deko aus Gras. „Wir haben doch zu DDR-Zeiten gelernt, wie man aus Scheiße Bonbons macht“. Sie aktualisierten ihre Traditionen und machten daraus immer größere Aktivitäten für die ganze Region: vom Zampern, über das Maibaumaufstellen bis zum Osterfeuer, dass inzwischen von allen drei Dörfern gemeinsam veranstaltet wird. Der Geheimtipp war auch eine Stempelkarte, um die Leute zu motivieren, die Weihnachtsmärkte in allen drei Dörfern zu besuchen. Sie lernten daraus: „Räume öffnen fängt damit an, mentale Räume zu öffnen“ und dass der Schlüssel ihres Erfolges kollektive Strukturen waren, die ohne Druck funktionierten. Jede und jeder machte das, was er oder sie eben beitragen konnte.

Das war es! So würden sie es machen. Sie planten also fleißig weiter: einen Aktionstag als „kreative Dörfer-Tour“, wo man überall besondere Orte, Gegenstände oder Fähigkeiten entdecken konnte. Es gab Filmvorführungen, Feste, Subbotniks und jede Woche andere Veranstaltungen. Das alles ging nicht ohne eine Kümmerer-Rolle wie die Neulandgewinnerin vor Ort.

Doch damit hatten sie nicht gerechnet: Das Geld reichte bei weitem nicht, um das Gebäude auch wirklich zu sanieren. Es geht nicht voran mit dem Ausbau des Pfarrhauses und damit können die Räume nicht dauerhaft genutzt werden, da wichtige Infrastrukturen einfach fehlten.

Nun war guter Rat teuer. Aber schließlich nahte Rettung in Form der Medizinischen Uni Lausitz. Bei einer Grünen-Klassenzimmer-Veranstaltung vor Ort, hat der Professor herausgefunden, wie schön es hier ist. Über das Programm „Landärzte“ soll ein Raum und die nötige Infrastruktur im alten Pfarrhaus hergerichtet werden. Die Dorfgemeinschaft schließt einen Kooperationsvertrag mit der Uni ab: über das Programm werden die Kosten für Denkmalschutz, Architekt und Statiker übernommen, die lokalen Handwerker sanieren das Gebäude zusammen mit der Dorfgemeinschaft in Eigenleistung. Dafür entwickeln sie ein neues Skillsharing-Programm und alle freuen sich, dass sie diese Fähigkeiten auch für ihre Häuser und Höfe in Zukunft sinnvoll nutzen können.

Schnell sprach es sich in der Region herum, was für ein lebendiger Ort in Groß Döbbern entstanden ist. Alle spüren die Kraft der Selbstwirksamkeit und bekommen viel Lob, Dankbarkeit und Unterstützung. Das merkten sie auch am Spendentopf, der immer großzügiger gefüllt wurde. Es gab neue Hoffnung und das Gefühl, dass es nicht viel braucht für ein gutes Leben. Die Gemeinschaft gibt Halt und die Krisen der Welt bleiben fern.

ENDE

Und die Moral von der Geschichte: Es ist wunderschön hier und das können wir gemeinsam erhalten und gestalten.