Schlüssel zum Schloss

Eine Veränderungsgeschichte inspiriert aus dem Altenburger Land

Diese Zukunftsgeschichte ist im Rahmen eines Workshops im Herbst 2025 entstanden. Wir danken allen Mitwirkenden.
Für die Entwicklung der Geschichte wurden das Weiter-Erzählen Playbook und das REGIOKataster verwendet.

Eine Zukunftsgeschichte zum Thema Engagement und Teilhabe

Es waren einmal Einheimische, eine Eigentümerin, Zugezogene, Projektemacher und Kulturschaffende. Sie lebten in einer Region mit einer besonderen Immobilie, die sich in zentraler Lage befand, allerdings leer stand. Das Wasserschloss in Dobitschen. Eine Region, in der die Identifikation mit der Gegend etwas stärker ausgeprägt sein könnte.

Das Problem war, dass die Menschen sich nicht wirklich für das Schloss engagierten, weil sie kein Vertrauen hatten, dass die hineingesteckte Arbeit tatsächlich Früchte tragen würde. Es fehlten Orte der Begegnung, Orte für ALLE und natürlich auch die notwendigen Ressourcen.

Diese Leute waren sich einig: Wenn sie jetzt nicht handeln würden, würde die Immobilie verfallen, es käme zu Stillstand im Dorf, Zugezogene würden ihren Umzug bereuen und es würde nie einen Ort für alle geben. Ehrenamt und Engagement würden weniger und anstrengender werden. Die Türen des Schlosses würden verschlossen bleiben, Kultur nicht mehr als Türöffner funktionieren. Es käme unfreiwillig zu einem Rückzug ins Private. Wenn es keinen Ort für alle gäbe, gäbe es auch keinen Ort für die Jugend.

Doch eines Tages begab es sich, dass ein erfolgreicher Kinofilm im Schloss gedreht wurde – und dieser gewann sogar einen Oscar. Das generierte so viel Aufmerksamkeit, dass ein Regisseur Geld in die Hand nahm und zum 330-jährigen Geburtstag des Schlosses (schon im kommenden Jahr 2026) zehn Kulturveranstaltungen im Schloss finanzierte. Es gab eine große Jubiläumsfeier, und der Regisseur brachte als Zugezogener Theater und Kultur mit ein. Es entstand eine Art Kulturpatenschaft.

Sie entschlossen sich, es gemeinsam anzugehen. Als die Möglichkeit entstand, gemeinsam zehn Veranstaltungen zu organisieren, stellten alle fest, dass es am besten wäre, wenn man wirklich alle erreichte. Dazu brauchte es eine Informationsveranstaltung für alle Einheimischen und alle Vereine. Sie fragten sich: Wie nehmen wir alle mit? Es braucht Informationen, um die Teilhabe aller zu ermöglichen – wahrscheinlich am besten über das Amtsblatt, künftig das der Stadt Schmölln und ab dem 1. Januar 2026 wahrscheinlich auch das des Landkreises.

Sie beratschlagten, wie man das Problem am besten angehen würde: Kulturschaffende schafften Sichtbarkeit, Zugezogene vernetzten sich, Vereine entwickelten Kommunikationskultur, die Eigentümerin wagte Experimente und die Einheimischen waren vor Ort.

Schnell sprach es sich in der Region herum: Es gab plötzlich ein Dorfkino, Subbotnik und Dorfaktionstage, einen Dorfladen, einen Begegnungsort und die Idee von gemeinschaftlichem Eigentum.

Und die Moral von der Geschicht: Wenn wir gemeinsam etwas Großes schaffen wollen, müssen wir vor Ort alle mitnehmen – auch die Hilflosen und Abgehängten. Und wir müssen über die Vergangenheit und die Zukunft reden.